Strukturelle Entwicklungen dezentraler Bankensysteme


Ziel dieses Forschungsprojekts ist die Analyse von Verbundstrukturen und deren strukturelle Ambidextrie im Vergleich zu den Konzernstrukturen der Großbanken in Hinblick auf Zukunftsfähigkeit. Es geht dabei um organisatorische oder Strukturinnovationen. Die konkreten Forschungsfragen untersuchen sowohl die Effizienz der verschiedenen Systeme sowie auch die aktuell relevante Frage der Stabilität und Sicherheit der Banken. Dabei wird neben den aufsichtsrechtlichen Aspekten beispielsweise auch die systembedingte Risikodiversifikation durch die Granularität dezentraler Systeme untersucht. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass Österreich neben Deutschland eines der wenigen Länder Europas mit einem dreigliedrigen Bankensystem ist, was in der Vergangenheit zu intensiven Diskussionen geführt hat. Gleichzeitig waren aber diese Systeme die stabilsten während der Finanzmarktkrise Ende des letzten Jahrzehnts. 

Dieses Forschungsfeld wird in mehreren Studien bearbeitet, wobei ein erster Themenschwerpunkt bereits in Kooperation zwischen Univ.-Prof. Dr. Marcus Riekeberg und Univ.-Prof. Dr. Detlev Hummel von der Universität Potsdam durchgeführt wird, in dem auch der Doktorand Dipl-Kfm. Markus Tischer integriert ist. Ein Aspekt ist die zukünftige Entwicklung des derzeit im Retailbanking marktführenden Systems in Deutschland – der Sparkassen-Finanzgruppe. Dabei liegt der Schwerpunkt der ersten Arbeiten in der Analyse der einzelnen Einheiten von Verbundsystemen, konkret in diesem Fall der Sparkassen und ihrer Effizienz. Die Studie betrachtet die Mikrosicht, also die Frage, in welchen Größendimensionen, Strukturen und Geschäftsmodellen einzelne Institute zukunftsfähig sind. Neben dieser bereits abgeschlossenen Studie wird aktuell in einer parallelen Arbeit ein System von Kriterien zur Beurteilung und zum europaweiten Vergleich von Verbundstrukturen entwickelt. Dieser Ansatz wird ergänzt um qualitative Analysen des bestehenden Geschäftsmodells der deutschen und österreichischen Sparkassen-Finanzgruppen.

Ein weiterer Aspekt der strukturellen Entwicklung von Bankensystemen ist der Aspekt der zunehmenden Komplexität und der daraus resultierenden Kosten. Ein erstes Arbeitspapier von Univ.-Prof. Dr. Marcus Riekeberg gemeinsam mit Dr. Erich Utz zu diesem Thema beschäftigt sich mit intern und extern bedingten Komplexitätstreibern in Banken und deren Auswirkungen auf Kostenstrukturen. Aktuell wird in einer Studie die subjektiv wahrgenommene Komplexität von Prozessen und Strukturen und deren Folgen in Abhängigkeit von der Unternehmensgröße am Beispiel mehrere deutscher Sparkassen untersucht.

Veröffentlichung der Forschungsergebnisse:

Tischer, M. (2011): Effizienzmessung im Sparkassensektor am Beispiel regionaler Cluster, Wissenschaft & Praxis, Sternenfels (Promotion an der Universität Potsdam).

Riekeberg, M./Utz, E. (2011): Auflösung von Komplexität in der ganzheitlichen Steuerung von Kreditinstituten. In: Riekeberg, Marcus/Utz, Erich (Hrsg.): Strategische Gesamtbanksteuerung, 2. ergänzte und erweiterte Aufl., Stuttgart.

Riekeberg, M./Tischer, M.: Fusionieren hilft oft nicht. In: SPARKASSE, 09/2011, 22ff.

Projektleiter: Univ.-Prof. Dr. Marcus Riekeberg